Schleierwolken gehören zu den faszinierendsten Erscheinungen am Himmel. Die feinen, federartigen Wolken – in der Meteorologie Cirruswolken genannt – entstehen in großen Höhen und bestehen aus winzigen Eiskristallen. Obwohl sie leicht und unscheinbar wirken, können sie wichtige Hinweise auf Veränderungen der Wetterlage geben.
Wer den Himmel aufmerksam beobachtet, erkennt in Schleierwolken oft frühe Anzeichen für eine heranziehende Wetterfront oder für starke Höhenwinde in der Atmosphäre.
Mehr über die wissenschaftliche Einteilung von Wolken und ihre Namen erfahren Sie auch in unserem Beitrag „Wolken: Entstehung und Bedeutung ihrer Namen“.
Im folgenden erklärt unser Wetterkolumnist Roland Schmidt, welche Besonderheiten Schleierwolken haben und welche Rolle sie für die Wetterbeobachtung spielen.
Was Schleierwolken auszeichnet
Wolken gehören zu den wichtigsten aber auch vielfältigsten Wetterelementen, ihr Auftreten beeinflusst unsere Wetterwahrnehmung stark: Zwischen dem heiteren Blau des Himmels vor dem sich kleine weiße Quellwölkchen tummeln und dem eintönigen Grau einer Hochnebeldecke liegt ein ebenso weites Stimmungsfeld wie zwischen dem bedrohlichen Aufzug einer dunkeln Gewitterwolke und den harmlosen weißen Federstrichen von Schleierwolken. Doch gerade diese sind, trotz ihrer unspektakulären Erscheinung, wertvolle Hinweisgeber auf den Zustand der höheren Atmosphärenschichten und wurden deshalb schon von früheren Generationen als Wetterboten verstanden.
Das gemeinsame Merkmal von Schleierwolken, oft auch Federwolken genannt, ist ihre geringe vertikale Mächtigkeit und durchgängig weiße Farbe. Sie befinden sich fast immer in Höhen zwischen 8000 und 13.000 Metern und bestehen aus Eiskristallen.
Schleierwolken in großer Höhe der Atmosphäre
Im dreistufigen Wolkenmodell der Meteorologen bilden sie das dritte und oberste Stockwerk, ihr lateinischer Name lautet Cirrus, was soviel wie „Haarlocke“ oder „Franse“ bedeutet. Er weist schon auf die optische Auffälligkeit dieser Wolkenfamilie hin, denn sehr oft tritt sie in dünner, faseriger Gerupftheit auf. Im Unterschied zu anderen Wolken bestehen Cirren durchgängig aus Eiskristallen, was von den meist zwischen minus 30 und minus 60 Grad liegenden Temperaturen in ihrer Erscheinungshöhe verursacht wird.
Da sich kleine Wassertröpfchen bis weit in den Frostbereich hinein unterkühlen lassen, ohne zu Eis zu werden, gibt es in tieferen Atmosphärenschichten fast immer auch Wasser in flüssiger Form. Im Reich der Schleierwolken dagegen beherrscht die große Vielfalt der Eiskristalle die Szene; ihr Auftreten ist abhängig von einer Kombination aus Luftfeuchtigkeit, Kondensationskeimen und Winden. Da die Luft bei den sehr niedrigen Temperaturen nur wenig gasförmigen Wasserdampf enthält, ist er oft der entscheidende Faktor bei der Entstehung von Cirren. Sobald aber ausreichend Wasserdampf vorhanden ist, bilden sich an winzigen Staubteilchen oder Salzkörnchen Eiskristalle.
Die verschiedenen Formen der Schleierwolken
Drei Familien von Schleierwolken werden dabei grundsätzlich unterschieden: Die Cirren, der Cirrocumulus und der Cirrostratus.
Im Unterschied zu den faserigen Cirren zeigt der Cirrocumulus eine eher körnig-flockige Struktur, die häufig in gerippelten Bändern angeordneten Wölkchen erinnern an winzig kleine Quellwolken, daher die Bezeichnung „Cumulus“. Ganz im Gegensatz dazu steht der Cirrostratus, der in milchig-weißer Fläche ohne besondere Strukturen den Himmel überzieht; „Stratus“, der lateinische Name für eine Schichtwolke, benennt seine auffällige Besonderheit.
Schleierwolken als Vorzeichen für Wetteränderungen
Da für die Entstehung aller Cirrenformen ausreichend Wasserdampf erforderlich ist, und dieser durch Tiefdruckgebiete mit ihrer aufsteigenden Luftbewegung bis in große Höhen transportiert wird, treten Cirren in vielen Fällen bei der Annäherung von Tiefs auf. Sie gelten deshalb auch als Vorzeichen einer Wetterverschlechterung, so wie es eine alte Bauernregel formuliert: „Wenn der Himmel gezupfter Wolle gleicht, die Sonne bald dem Regen weicht“. Und da die Nähe von Tiefdruckgebieten oftmals mit starken Höhenwinden verbunden ist, wird damit auch die Verwirbelung und Verdrehung vieler Schleierwolken verständlich.
Halos, Nebensonnen und der Einfluss des Luftverkehrs
Zusätzlich erhöhen häufig noch Lichteffekte die Attraktivität der Schleierwolken. In ihren Eiskristallen wird das Sonnen- oder auch das Mondlicht in je nach Kristallform unterschiedlichen Winkeln gebrochen, was die farbig leuchtenden Halos, Nebensonnen und Kreisbögen entstehen lässt. Auch die wurden früher generell als Ankündigung von Wind und Regen gedeutet, was die moderne Meteorologie so nicht bestätigt. Denn zum einen können Cirren und die mit ihnen verbundenen optischen Phänomene auch dann auftreten, wenn Tiefdruckgebiete noch weit entfernt sind und ihre Ausläufer nur am Beobachtungsort vorbei ziehen.
Zum anderen hat sich die Häufigkeit von Schleierwolken in den letzten einhundert Jahren drastisch erhöht, was eine Folge des Luftverkehrs ist. Denn aus den Düsen der Tausenden von Jets entweicht eine gewaltige Menge von Wasserdampf und winzigen Rußpartikeln, was die Entstehung von Cirren enorm begünstigt. Sie werden umgangssprachlich als Kondensstreifen bezeichnet und bilden mittlerweile eine Sonderform „Cirrus homogenitus“ bei der Wolkenbestimmung. Sie können sich bei günstigen Bedingungen zu großflächiger Schleierbewölkung ausbreiten und über Stunden bestehen bleiben. Diese menschengemachten Cirren verhindern die Abstrahlung von Wärme ins Weltall und tragen damit nicht unerheblich zur globalen Erwärmung bei.
Warum das Wissen über Wolken für die Wetterbeobachtung wichtig ist
Wer Wolken richtig beobachten kann, erkennt viele Veränderungen des Wetters frühzeitig. Besonders Schleierwolken sind häufig ein erstes Zeichen dafür, dass sich die Wetterlage verändert und sich ein Tiefdruckgebiet nähert.
Mit modernen Wetterstationen lassen sich solche Beobachtungen zusätzlich überprüfen. Während Wolken Hinweise aus der Atmosphäre liefern, zeigen Messgeräte Temperatur, Luftdruck oder Luftfeuchtigkeit – wichtige Faktoren für eine zuverlässige Einschätzung des Wetters.
Gerade für alle, die das Wetter bewusst beobachten möchten – im Garten, beim Wandern oder im Alltag – lohnt es sich, Wolkenbilder mit Messwerten zu kombinieren. So entsteht ein besseres Verständnis für das Zusammenspiel der verschiedenen Wetterfaktoren.