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Die Frage, warum es an Weihnachten oft als warm empfunden wird, wirft eine faszinierende Mischung aus meteorologischen Phänomenen und emotionalen Aspekten auf.

Obwohl das traditionelle Bild von Weihnachten von Schnee und Kälte geprägt ist, erleben viele Menschen weltweit milde Temperaturen vor und während der festlichen Jahreszeit. Diese Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität regt dazu an, die Gründe näher zu betrachten, die dazu führen, dass es an Weihnachten häufiger warm ist.

Meeresströmungen und Temperaturschwankungen

Unsere Erde ist ein zu mehr als zwei Drittel von Wasser bedeckter Planet und so ist es nicht erstaunlich, dass die Temperaturverhältnisse und Strömungen in diesen riesigen Meeresgebieten Wetter und Klima stark beeinflussen. Während in früheren Jahrzehnten nur punktuell durch Schiffsmeldungen Messwerte zur Verfügung standen, haben immer mehr Satelliten in den letzten fünfzig Jahren eine inzwischen flächendeckende Datenerhebung ermöglicht. Dabei zeigte sich immer deutlicher, dass es in den Meeren sehr ausgeprägte Temperaturschwankungen gibt, die teilweise weltweite Auswirkungen auf das Wettergeschehen haben.

Eine dieser in unregelmäßigen Abständen wiederkehrenden Anomalien ist allerdings schon seit Jahrhunderten bekannt und trägt sogar einen eigenen Namen: El Nino de Navidad, das Weihnachtskind. Peruanische Fischer gaben ihr diesen Namen, wobei sich diese Bezeichnung erst nach der christlichen Kolonisation Amerikas etablieren konnte – das Phänomen an sich dürfte den Menschen an der Westküste Südamerikas schon seit Jahrtausenden vertraut sein:

Aus der Tiefe aufsteigendes, kaltes und nährstoffreiches Wasser, das der Humboldtstrom von Süden heranführt, lässt dort über viele Jahre riesige Mengen an Plankton gedeihen, was wiederum enorme Fischschwärme ernährt. Diese sind Nahrungsgrundlage für Tausende von Vogelkolonien und für die Fischer, die an der peruanischen Küste ihrem Beruf nachgehen.

Doch irgendwann ist es wieder soweit: Die Wassertemperaturen dort steigen an, der Aufstieg des kalten Tiefenwassers versiegt, Plankton und Fischschwärme verschwinden, Seevögel verhungern und Fischer ziehen fast leere Netze an Bord. Da der Höhepunkt eine solchen Ereignisses immer wieder um die Weihnachtszeit liegt, erhielt es daraus seinen Namen – El Nino.

Globale Auswirkungen von El Nino

Was ursprünglich nur als ein regionales Ereignis wahrgenommen wurde, entpuppte sich nach und nach als Teil einer global wirksamen Zirkulation. Denn damit das Wasser des Humboldtstroms aus der Tiefe aufquellen kann, müssen beständig aus Nordost wehende Passatwinde das warme Oberflächenwasser des Pazifiks von Südamerika nach Südasien verfrachten. Dort, vor den Philippinen und Indonesien, begünstigt das häufige und anhaltende Regenfälle, die eine tropische Vegetation gedeihen lassen. Dem dauerhaften Tiefdruckeinfluss hier steht hoher Luftdruck über Peru gegenüber. Dieses Zirkulationssystem beschrieb als erster in den 1920er Jahren der britische Physiker und Meteorologe Gilbert Walker; im zu Ehren wird sie „Walker Zirkulation“ genannt.

Nach und nach wurde entdeckt, dass solche Walker-Zellen auch in den äquatorialen Zonen des indischen und des atlantischen Ozeans existieren, allerdings mit weniger starken Auswirkungen. Denn die Folgen eines El Nino-Ereignisses beschränken sich nicht auf den südlichen Pazifik: Nicht nur über den Westküsten Südamerikas sondern auch über Kalifornien und Mexiko gehen heftige Regenfälle nieder, mit teilweise verheerenden Folgen. In Ostafrika regnet es häufiger und stärker, in Südafrika herrscht dagegen eine ausgeprägte Dürre, ebenso in Südasien und Australien. Ob die warme Weihnachtswelle vor Peru auch das europäische Wetter beeinflusst, ist immer noch ungeklärt, es finden sich sowohl Hinweise auf außergewöhnliche kalte als auch auf sehr milde Winter auf der Nordhalbkugel.

Ausblick auf Weihnachten 2025 und globale Temperaturentwicklung

Auch das Gegenstück zu El Nino, genannt La Nina, das Mädchen, tritt in unregelmäßigen Abständen aber insgesamt seltener auf. Dann läuft die Walker-Zirkulation auf Hochtouren, vor Südamerika ist es besonders kühl und trocken und in Südasien extrem nass. Solch ein Ereignis wurde zuletzt zu Beginn der 2020er Jahre registriert.

In den vergangenen Jahren wechselten sich Phasen unterschiedlicher Intensität ab, und nach dem starken El-Niño-Ereignis 2023/2024 haben sich die Bedingungen zeitweise zwar abgeschwächt, doch viele Ozeanregionen – insbesondere der Atlantik – zeigen weiterhin überdurchschnittlich warme Oberflächentemperaturen. Solche marinen Temperaturanomalien können großräumige atmosphärische Muster beeinflussen und als Verstärker für Wetterschwankungen wirken.

Ob sich diese ungewöhnliche Wärme auch auf die Witterung in Mitteleuropa zu Weihnachten 2025 auswirken wird, bleibt jedoch offen. Die Entwicklung der Winterwetterlage hängt von zahlreichen Faktoren ab; selbst moderne Modelle können für einzelne Feiertage keine verlässlichen Aussagen liefern. Sicher ist lediglich, dass der langfristige Erwärmungstrend in Verbindung mit natürlichen Klimaschwankungen dazu führt, dass sowohl ungewöhnlich milde als auch überraschend kalte Bedingungen möglich sind.



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